Gibt es etwas großartigereres als die Berge? 
Sicher! Es gibt das Meer, die Pusta, die Wüste, schier endlose Steppen, den Regenwald, den Dschungel, das ewige Eis...es gibt so unendlich viel Schönes auf unserem Planeten. Doch meine Leidenschaft und meine Passion gehörte von Anfang den Bergen. Warum? Ich weiß es nicht. So erfüllend das Gebirge für mich war und mir Schutz und Antworten lieferte, umso mehr Weisheiten und tiefe Erkenntnisse öffneten sich mir als ich begann, diesen wunderbaren Teil unserer Erde mit Pfoten zu teilen, die meine Schritte ausfüllten. Alles bekam plötzlich von da an einen anderen und tieferen Sinn. Der Bezug zu mir selbst änderte sich schlagartig, und ich begann alles mit anderen Augen zu sehen und zu verstehen.


Unsere Liste großer 3000-er und 4000-er Gipfel war lang. 
Wir stiegen auf einige 4000-er Gipfel ohne David. Sie waren sicher erfüllend. Doch es fehlte etwas entscheidendes. David. Unser Vierbeiner, unser Freund, unser Engel, unser Tourenpartner, unser Alles. Unser letzter großer 4000-er Gipfel alleine ohne David war der Mont Blanc mit seinen 4810m im August 2014. Wir hatten uns in Chamonix einquartiert, und hatten meine Mutter mit ihrem kleinen Vierbeiner dabei. Sie hatte eine entscheidende Rolle in unserer geplanten Gipfelbesteigung, denn sie sollte in unserer zweitätigen Abwesenheit auf David aufpassen.
Doch genau so großartig und spektakulär unsere Besteigung auf den Gipfel war, genauso und noch viel mehr bemerkten wir, dass dieser Gipfel nur ein Gipfel unter vielen hohen Gipfeln war und an tiefem Wert verlor, da wir unseren besten Freund, unseren Vierbeiner, der mit uns schon so etliche viele schwere 3000-er und 4000-er Gipfel  zusammen bestiegen hatte, nicht mit teilhaben lassen konnten.
Während ich die zwei Tage David´s Schweizer Halstuch angehabt hatte das mir Schutz in der eisigen und stürmischen Gipfelflanke schenkte, flogen meine Gedanken, trotz des immer näherkommenden großartigen Zieles zu David. Ich wusste er wartete. 
Als wir dann am zweiten Tag beim Abstieg irgendwo auf ca. 3600m einem Steinbock eine Zeitlang zuschauten und mit unseren Gedanken irgendwo waren, schreckten wir Beide plötzlich auf und schauten aufgeschreckt um uns auf der Suche nach David. In diesem Moment wurde uns klar, dass wir unseren Vierbeiner vermissten, und wir zielstrebig absteigen mussten.
David, der uns sonst nach kürzester Abwesenheit immer mit überschwänglicher Freude begrüßte, ließ uns Abends bei unserer Rückkehr wissen, was wir getan hatten.
Er nahm unsere Rückkehr schweigend zur Kenntnis, ging  mit gesenktem Kopf auf das Sofa zurück und zeigte uns mit enttäuschendem und ignorierendem Verhalten, dass wir ihn auf einer großartigen Tour nicht mitgenommen und ihn nicht mit teilhaben gelassen hatten, obwohl er doch einer von uns war.











Nach dieser Erkenntis, die David mir schenkte, begann ich Stück für Stück gesammelte Gedanken und gemeinsame Lebensschritte aufzuschreiben. Heute, nach 12 Jahren gemeimsamen Lebensweges zusammen mit vier Pfoten, ist der Abschnitt unserer "Sturm und Drangzeit" vollendet, dass ich im Blog vorstelle.
...doch der zweite und tiefste Teil beginnt gerade jetzt erst...

Der Mensch bleibt einfach Mensch. Das wird sich nie ändern. Auch unsere Liste von außergewöhnlichen Gipfeln wurde trotz unserer Erkenntnis nicht kürzer. Nein, ganz im Gegenteil. Wir arbeiteten hart daran, unsere Pläne umzusetzen - zusammen mit unserem Labrador, unserem Vierbeiner, unserem Tourenpartner, unserem Freund.
Wir lernten umzudenken, mit anderen Augen zu sehen, Berge, Felsen, Flanken und Schwierigkeiten mit Hundeaugen zu sehen, zu lesen, und sie zu lösen. Wie oft mussten wir andere Wege gehen, Umwege tätigen, waghalsige und ausgesprochen fragwürdige Kletterkünste und Abseilmanöver in abschüssigen Flanken und in schwindelerregenden Höhen tätigen um unsere auserkorene Ziele und Gipfel zu Dritt erreichen zu können. Und wie oft waren wir mit überdimensionalen Rucksäcken in der sängenden Hitze oder klirrenden Kälte unterwegs, um schier unendlich viel wirkende Höhenmeter in schweißtreibenden Aufstiegen zu erarbeiten, weil wir wegen einem Vierbeiner nicht in der Hütte unterkommen konnten und somit irgendwo in der Prärie selbst für Unterkunft und Verpflegung sorgen mussten. Genauso erarbeiten wir unsere Ziele Schritt für Schritt.
Doch genau diese Tatsache war es, das uns die Erfüllung unserer Herzen schenkte.
Die Berge verbargen ein Geheimnis, dass ich bis dahin angenommen hatte gefunden zu haben. Ich hatte es gefunden, das Geheimnis, doch ich stand vor einem Schatz, der noch verschlossen war. Nur durch die Pfoten unseres Vierbeiners, der unsere Schritte ausfüllte öffnete sich  das Geheimnis. Und mit jeder Tour die wir zusammen mit David gingen, nahm die Mächtigkeit des Geheimnisses stückweise zu und bekam immer mehr Erfüllung, Farben und Facetten. Die Tiefe und die Bedeutung die von den Bergen ausging bekam durch das kleine Herz eines Vierbeiners eine völlig andere Intensität und die Wahrheit lag nun zu unseren Füßen...



Meine Bergphotographien auf der extra Homepage Bergphotographie wiederspiegeln den Moment und die Gefühle wieder, die in diesem Augenblick von diesen wunderbaren und mächtigen "Geschöpfen" ausging. 
Erkenntnisse, unsere gemeinsamen Schritte, Wege und Touren sowie unser gemeinsames Leben, das David mir all die Jahre schenkte, liegen in meinem Buch "Mit den Augen eines Hundes" nun vollendet dar, und werden im Blog jede Woche, Stück für Stück für Jedermann nachzulesen sein.